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20. November 2013

Verleihung des 1. BAWAG P.S.K. Frauenpreises


Im Rahmen des Projekts Genderfair der TU Wien haben wir erstmals den BAWAG P.S.K. Frauenpreis vergeben. Ausgezeichnet wurde die Wissenschaftlerin ldiko Merta. Wir gratulieren und baten zum Interview.


​​​​​​​Ermutigung, Freude, Spaß und Stolz – das alles kann in einem Nachmittag stecken. Im Boecklsaal der TU Wien ist am 18. November aber nicht nur Raum für viele Emotionen, sondern auch für zahlreiche Gäste, über die sich vor allem TU-Vizerektorin Anna Steiger sehr freut, wenn sie meint, dass es keiner Selbstverständlichkeit unterliege, dass Veranstaltungen wie diese so gut besucht seien. Besonderen Dank sprechen hier auch Ingrid Streibel-Zarfl und Tamara Kapeller von der BAWAG P.S.K. Fraueninitiative ihren männlichen Kollegen aus, die mit ihrem Beisein ein schönes Zeichen setzen. Auch die BAWAG P.S.K. Fraueninitiative selbst setzt seit 2009 viele Zeichen und verschreibt sich dem Ziel, in der BAWAG P.S.K. ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das es vor allem den Mitarbeiterinnen ermöglicht, ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Dabei geht es sowohl um das Erreichen von Führungs- oder Expertinnen-Positionen als auch um die Gleichstellung bei Gehältern und Weiterbildungsmöglichkeiten. Byron Haynes, BAWAG P.S.K. CEO findet vor Ort ergänzende Worte: Ja, es herrsche noch Ungleichgewicht. Aber es gehe darum, den Rahmen und die Umgebung dafür zu schaffen, dieses Ungleichgewicht zu durchbrechen. Das funktioniere nicht über Nacht, aber der heutige Preis trage dazu bei und sei ihm nicht nur in seiner Rolle als CEO und Sponsor ein Anliegen, sondern auch in persönlicher Hinsicht – zum Beispiel als Mentor im BAWAG P.S.K. MentorInnenprogramm.


Wir gratulieren Ildiko Merta

Wen würdigt der mit 3.000 Euro dotierte BAWAG P.S.K. Frauenpreis schlussendlich? Frauen, die durch ihre Leistungen und ihr Engagement „mitten im Leben“ ein Vorbild für Frauen sind – insbesondere in den Bereichen Wissenschaft, Journalismus und Kunst, soziales Engagement, interkulturelle Verständigung, Förderung von Chancengleichheit von Frauen und Männern – und damit zur Bewusstseinsbildung für die Rolle der Frau im beruflichen Umfeld beitragen. Der Preis wird jährlich in Kooperation mit einer öffentlichen oder gemeinnützigen Institution vergeben, die sich für Frauenförderung einsetzt und soll Frauen ermutigen, ähnlich zielgerichtete Projekt-Ideen oder Initiativen in Angriff zu nehmen bzw. weiterzuentwickeln. Projekte wie die der nominierten Wissenschaftlerinnen Dr. Nadja Adamovic und Dr. Iva Kovacic. Oder eben die der Preisträgerin Dr. Ildiko Merta, die als Projektassistentin am Institut für Hochbau und Technologie der TU Wien Expertin im Forschungsbereich der Entwicklung nachhaltiger Betone aus nachwachsenden und recycelten Rohstoffen ist. Ildiko Merta ist eine beeindruckende Frau – nicht nur auf fachlicher, sondern auch auf emotionaler Ebene:


Was bedeutet Ihnen der heutige Preis?

Es ist eine große Ehre und Freude für mich diesen Preis entgegen nehmen zu dürfen! Es hat eine große Bedeutung für mich, denn es ist eine öffentliche Würdigung und Anerkennung meiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeit und meines Engagements.

Ich begrüße diese Initiative sehr, und freue mich, dass der erste BAWAG PSK Frauenpreis im Bereich der Technischen Wissenschaften vergeben wurde. Gerade in diesem Bereich ist der Frauenanteil noch immer stark unterrepräsentiert und Geschlechterklischees sind leider noch sehr präsent. Mit der Vergabe dieses Preises ist ein starker Impuls für die Gesellschaft ausgesendet worden um weibliche Vorbilder ebenso wahrzunehmen und um das stereotype Bild einer „Männerdomäne“ zu korrigieren.


Während der Verleihung haben wir einen fachlichen Einblick in Ihre Projekte bekommen. Welche persönliche Botschaft steckt in Ihrem Engagement?

Als aktives Mitglied des Frauenvereins WISIA habe ich die Gelegenheit mit exzellenten Wissenschafterinnen und außergewöhnlichen Frauen aus sehr unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen und Bereichen der Gesellschaft zusammen zu treffen. Alle diese Frauen haben hohe fachliche Kompetenzen, Ambitionen und ein enormes wissenschaftliches Potenzial.

Das was Frauen bei der Umsetzung ihrer Vorhaben brauchen bzw. benötigen sind Chancengleichheit und die gesellschaftliche Unterstützung durch institutionell organisierte Strukturen. Um Frauen erreichen und ansprechen zu können, ist es notwendig mit gesellschaftlicher Sensibilisierung und Anerkennung den Frauen entgegen zu kommen. Und genau das ist der heutige BAWAG P.S.K. Frauenpreis!

Solche Instrumente können die vorhandenen intellektuelle Ressourcen und Kapazitäten der Frauen mobilisieren. Leider können sie sehr leicht verloren gehen wenn die Gesellschaft damit unachtsam umgeht.

Das ist letztendlich eine gesellschaftliche Investition, die eine langfristige innere Harmonie der Gesellschaft sichert, wenn die Frauen wegen Beruf und Karriere nicht auf die Familiengründung und Mutterschaft verzichten müssen.


Wie genau ist es möglich? Sie haben vorhin Ihrer Mutter gedankt, weil sie Sie immer unterstützt hat – vor allem in der Kinderbetreuung. Was noch braucht es, um alles unter einen Hut zu kriegen?

Es ist nicht immer einfach Familie und Beruf zu vereinbaren, besonders wenn die Kinder klein sind und intensivere Betreuung brauchen. Diese Aufgaben übernehmen noch immer überwiegend Frauen und arbeiten sehr oft und auch längere Zeiten nur Teilzeit. Da aber Frauen beruflich dasselbe Pensum wie männliche Kollegen in kürzerer Zeit schaffen und leisten müssen, bewegen sich Frauen sehr oft am Rande des Möglichen. Um mit dieser Belastung zurecht zu kommen, es ist neben der Unterstützung von mehreren Seiten in Kinderbetreuung, vor allem eine sehr gute Organisation im Alltag und Fokussierung auf die wesentlichen Sachen unvermeidlich.

Gleichzeitig sind es aber eben die Familie und die Kinder die unheimlich viel Freude und Kraft geben und den Motor darstellen, der einen antreibt. Und es zahlt sich aus, denn jede investierte Arbeit bringt seine Erfolge früher oder später – es ist nur eine Frage der Zeit.


Heute ging es ganz stark um das Thema Mut. Und um die Ermutigung von Frauen, innovative Wege zu gehen. Was macht für Sie eine mutige Frau aus?

Für mich ist der Begriff Mut untrennbar mit Risikobereitschaft verbunden.

Es gibt zwei wichtige Aspekte. In der Forschung steht man vor dem Unbekannten und es müssen ständig neue Wege beschritten, neue Lösungen gefunden und innovative Methoden entwickelt werden. Daher ist der forscherische, intellektuelle Mut ein unvermeidbarer Teil einer zielstrebigen Wissenschafterin.

Aber auch auf der privaten und familiären Seite ist Mut erforderlich. Es müssen die Schwierigkeiten, die Unsicherheiten und die Risiken, die mit einer forscherischen Berufung einher gehen, akzeptiert werden.


Neben Ihren 2 Söhnen, die wir vorher kennenlernen durften, haben Sie auch eine entzückende Nichte. Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihrer Nichte?

Ich würde mir wünschen, dass Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in Zukunft eine Selbstverständlichkeit ist und dass die Gleichberechtigung nicht mehr mit Frauenquoten geregelt werden muss, sondern dass es ein natürlicher Zustand in der Gesellschaft wird.

Ich denke aber, dass genau diese Initiativen wie der BAWAG PSK Frauenpreis, das Genderfair Projekt der TU Wien oder der Frauenverein WISIA gemeinsam mit einigen anderen institutionellen Unterstützungsformen wichtige Bemühungen sind, Optimismus geben und beweisen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.


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